13. September 2021
von LOOX

Proteinmangel, Verzicht, nur ein Hype!

Was ist dran an veganen Vorurteilen?

Veganismus ist schon längst nicht mehr nur in Berlin-Mitte hip und viel mehr als eine Modeerscheinung oder ein Lifestyle. Doch noch immer gibt es viele Vorurteile, mit denen dringend aufgeräumt werden sollte.

Auf tierische Produkte zu verzichten, ist leichter als man denkt. Vieles ist schlicht und ergreifend eine Frage des Geschmacks, des Geldbeutels, der Zeit. Veganismus boomt, ist dabei aber viel mehr als nur ein Phänomen. Die Firma „Rügenwalder“ macht inzwischen mit vegetarischen und veganen Wurstprodukten mehr Umsatz als mit tierischen Produkten.

Vegane Produkte oft teurer als nötig

Das merkt man im Supermarkt gleich zweimal: a) die größer werdende Auswahl an vegetarischen und veganen Produkten und b) am Preis. Trotz relativ geringer Herstellungskosten sind die veganen „Mode“-Produkte oftmals spürbar teurer. Das heißt jedoch nicht, dass vegane Ernährung unbedingt teurer sein muss als eine Ernährungsform mit tierischen Produkten.

Die veganen Basics wie Getreide, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse sind nicht teurer, lassen sich teilweise sogar selbst anpflanzen, wenn man einen Garten besitzt. Möchtest du aber permanent auf vegane Ersatzprodukte zurückgreifen, dann benötigst du schon ein höheres Budget für deine Ernährung. Doch das tut nicht Not. Du kannst dir für den Grillabend Burgerpatties auch selbst herstellen. Das ist günstiger und oft auch leckerer.

Wichtig ist nicht nur, was hinten rauskommt, sondern auch was oben reingeht

Wichtig ist immer, dass nicht nur die Quantität der Nahrung stimmt, sondern auch die Qualität. Fleisch von mangelhafter Qualität bringt dich mit Sicherheit auch nicht weiter. Ernährung ist ein Puzzlestück deines Lebensstils, der dich am Ende zu einem gesunden oder gesünderen Menschen macht. Das geht vegan, vegetarisch oder auch mit Fleisch. Deine Entscheidung oder besser die deines Körpers.

Ein weiteres Vorurteil ist, dass Veganer unter Mangelerscheinungen leiden. Was das Vitamin B12 betrifft, stimmt das. Aber eine Nachsupplementierung ist kein Problem. Es gibt noch weitere Nährstoffe, die bei der veganen Ernährung als kritisch erachtet werden. Dazu gehören etwa Eisen und Kalzium. Experten sagen aber, dass Mangelerscheinungen bei Veganern nicht zwingend auf den Verzicht tierischer Produkte zurückzuführen sind, sondern eher auf einseitige Ernährung.

Noch schlimmer ist der Mythos des Proteinmangels. Um beim Fitnesssport Fortschritte zu erzielen, ist es unnötig, ganze Hühnerfarmen zu vernichten. Zahlreiche Weltklasse-Sportler mit hohem Proteinbedarf ernähren sich vegan. Strongmen wie etwa Patrik Baboumian (42) setzen komplett auf „Pflanzenkost“ und liefern im Wettkampf trotzdem Top-Leistungen.

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Auch Veganer bekommen genug Protein

Wer sich vegan ernährt, kann durch mehr Hülsenfrüchte und Nüsse problemlos mindestens 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Dazu gibt es auch vegane Proteinpulver, die notfalls helfen können, ein wenig nachzulegen, wenn nötig. Lediglich im Bereich der Aminosäuren musst du gucken, dass du dich bestmöglich versorgst. Das funktioniert für gewöhnlich auch über Nahrungsergänzungsmittel.

Wer Probleme hat, ohne Eier, Fleisch und Milchprodukte auf die nötige Menge Eiweiß zu kommen, liest sich entweder mithilfe entsprechender Literatur oder des Internets schlau oder konsultiert einen Ernährungsberater. Eine Ernährungsumstellung ist leichter, als viele denken.

Die Hebel dazu stellst du selbst: durch eine Umstrukturierung deines Alltags und deiner Gewohnheiten. Pläne sind hilfreich. Die fangen beim Einkaufsverhalten an und hören bei den Kochgewohnheiten auf. Ja, veganes Leben ist anfangs kompliziert. Dieser Mythos ist definitiv wahr, aber irgendwann geht es in eine Routine über. Es geht schlicht und ergreifend darum: Willst du vegan leben oder nicht? Wenn du das wirklich willst, dann wirst du das auch schaffen.

Vegan bedeutet nicht Verzicht

Einem „eingefleischten“ Steakliebhaber braucht man nichts vorzumachen: Es gibt keinen geschmacklichen Ersatz für ein Steak. Aber Veganismus ist nicht gleichzustellen mit Verzicht. Nahezu alle tierischen Produkte gibt es mittlerweile in veganer Form. Wir haben ja schon das Beispiel „Rügenwalder“ genannt. Vegane Wurstsorten sind nicht nur optisch kaum vom „Original“ zu unterscheiden. Das gilt übrigens auch für veganen Käse.

Der Wechsel auf eine vegane Ernährung hat für viele Menschen oft nicht nur gesundheitliche, sondern auch ethische Gründe. Gegner des Veganismus bringen oft als Beispiel, dass für den Sojaanbau besonders in Südamerika riesige Flächen des Regenwalds abgeholzt werden. Das ist nicht ganz die Wahrheit. Natürlich stimmt es, dass (viel zu viel) Regenwald abgeholzt wird, aber die angebaute Soja wird auch und vor allem als Tierfutter eingesetzt.

Es gibt viele Wege, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. An dieser Stelle liegt es uns fern, irgendwen zu belehren oder zu bekehren. Aber viele Vorurteile über Veganismus gehören schlicht und ergreifend eingemottet. Es geht speziell in unserer Gesellschaft um Weitsicht, Nachhaltigkeit und um die eigene Gesundheit.

Veganismus ist in der Gesellschaft angekommen

Immerhin: Die Akzeptanz in der Gesellschaft steigt. Wurden Vegetarier oder Veganer früher oft belächelt oder verspottet, hat sich das grundlegend gewandelt. Sie sind nicht mehr irgendwelche Ökos oder „Lifestyle-Idioten“. Doch speziell Neu-Veganer, die in Familien leben oder einen Freundeskreis haben, in der die „Allesfresser“ dominieren, müssen sich viel Quatsch anhören. Oftmals wird auch bei Essenseinladungen wenig Rücksicht auf die „Sonderlinge“ genommen.

Es gibt in unserer Gesellschaft nach wie vor Menschen, die annehmen, dass es unnatürlich ist, sich vegan zu ernähren. Diese verweisen auf die Evolution, dass Menschen nur so stark geworden sind, weil sie Fleisch gegessen haben. Dabei wird aber außer Acht gelassen, dass der Mensch sich weiterentwickelt, sich immer wieder an seine Umwelt angepasst hat.

Dabei ist der Punkt der Ethik komplett außen vor. Die Zahl der körperlich hart arbeitenden Menschen mit extrem hohem Kalorienverbrauch hat abgenommen. Darin könnte auch eine Erklärung liegen, dass die Zahl der übergewichtigen Menschen – im wahrsten Sinne des Wortes – stark zugenommen hat. Mehr und mehr Menschen arbeiten heute in Büros. Die Bedürfnisse des Körpers sind da anders. Was nicht heißen mag, dass ein Bauarbeiter sich nicht auch vegan ernähren kann. Im Gegenteil.

Die Balance zwischen Genuss und Gesundheit ist schwierig. Das richtige Maß zu finden, ist nicht leicht. Du bist kein Weltvernichter, wenn du weiterhin Fleisch isst, du bist aber auch kein Heiliger, wenn du ein Veganer bist. Man sollte aber in jedem Fall aufhören, sich über Veganismus lustig zu machen und weiterhin alten Klischees hinterherzulaufen.

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